2009
der schwarze Vogel
 
 
 
 
schwarzes Acrylglas, silbern gerahmt, 118 x 40 cm
 
 
 
 
Irgendwann war er da,

der schwarze Vogel,

hoch über uns schwebend,

und er kannte den Weg.

Bei jeder Rast musterte er uns

mit kaltem Blick,

einen nach dem anderen,

und mahnte schreiend zum Aufbruch.

Nachts lief er ungeduldig

zwischen unseren warmen Körpern

hin und her.

 

Wir waren Verdammte

auf schwankendem Boden,

mit zerplatzten Lippen

und geschwollenen Zungen,

aneinander gekettet,

ein Rudel,

das seine allerletzte Chance ergriff,

wie der Halunke

am Kreuz neben Jesus.

Ein dünner Spalt

in der Mauer des Schicksals,

und wir wanden uns

geschickt hindurch,

getrieben von den geflüsterten Worten

eines sterbenden Greises,

die Reichtum versprachen

und ein neues, gelungenes Leben.

Sich aus dem Dreck aufrichtend

spendete uns der Alte

höhnisch seinen letzten Segen.

Wir mussten ihm die Finger brechen

für diese Zeichnung

mit dem Kreuz in der Mitte.

 

Unser Zug,

dem Glück entgegen,

ging vorbei an Schädelstätten

und staubigen Abgründen,

Gottes warnenden Zeichen.

Und nachts, auf steinigem Bett,

erschien das Bild der Liebsten

hoch oben in den Sternen.

 

Ein großer, böser Spieler

ließ uns lächelnd

über sein Brett marschieren,

und wir versuchten,

ihn bei Laune zu halten,

gehorsam der Zahl der Augen folgend.

Doch sein Blick ging schon zur Uhr,

er würde gähnen, sich recken

und beim Aufstehen gelangweilt

die Figuren vom Tisch fegen.

 
 
 
schwarzes Acrylglas, silbern gerahmt, 118 x 40 cm
EUR 390,-